Sanatorium „Mühlbach“ am Fuße des Michaelsbergs

Klapsmühle

Die Besucher werden als potentielle Patienten in ein altes Sanatorium am Fuße des Michealsbergs eingewiesen. Nach einem freundlichen Empfang in der schönen, aber etwas angestaubten Heilanstalt, wird man beim zuständigen Arzt vorständig. Dieser diagnostiziert ganz klar eine schwere Nervenkrankheit und eine sofortige Behandlung des Patienten ist von Nöten. Bereits kurze Zeit nach der Zwangseinweisung wird den Patienten aber klar, dass hier etwas nicht stimmt. Von der Schönheit des altehrwürdigen Anwesens gibt es keine Spur mehr. Die Mehrbettzimmer sind düster und verdreckt. Es scheint, als wären die Patienten hier sich selbst überlassen. Je tiefer die Besucher in das Sanatorium vordringen, desto mehr wird ihnen bewusst, dass die Patienten hier nicht geheilt werden, sondern grausame Experimente an ihnen durchgeführt werden. Wird man es schaffen den Instrumenten und Spritzen der verrückten Ärzte zu entkommen, oder landet man, wie alle vorherigen Patienten im Delirium?
Klapsmühle – Bild 1
Klapsmühle – Bild 2
Klapsmühle – Bild 3
Klapsmühle – Bild 4

Daten & Fakten

Spielzeit
seit 2025
Gruselfaktor
sehr hoch
Schreckfaktor
extrem
Lage
Auf der Veranstaltungswiese, gegenüber der Holzachterbahn "Mammut"
Klapsmühle – Hero
Die Geschichte zum Maze „Klapsmühle“ von Mathias Schwappach

Im Mahlwerk der Klapsmühle

Im Mahlwerk der Klapsmühle

Ich habe mich damit abgefunden und weiß, dass ich ohne Hilfe mein Leben nicht wieder in den Griff bekommen werde. Der Weg dorthin ist schwierig, sowohl zu der Erkenntnis, als auch in die Klinik. Und doch erscheint es für mich als die letzte Möglichkeit, aus der fortwährenden Abwärtsspirale auszubrechen. Als das Taxi von der Hauptstraße auf den wenig befahrenen Pfad in das karge Wäldchen abbiegt, überkommt mich ein Gefühl der Ermattung. Hier wie auch künftig muss ich die Steuerung meines Weges all jenen überlassen, die mir die bislang verwilderten Pfade meines Bewusstseins erschließen und mir neue Richtungen zeigen können. Wohin werden sie mich wohl führen?

Kurvig und unstet bahnt sich das Fahrzeug seinen Weg durch den herbstlichen Wald, um nach einer zeitlich kaum messbaren Ewigkeit ein rostiges Gittertor zu passieren, in das hoch ummauerte Anwesen eines alten Herrenhauses einzufahren und vor den Pforten des Sanatoriums am Fuße des Michaelsbergs zum Stehen zu kommen. Ich schaue scheu aus dem Fenster des Rücksitzes, das Gebäude ragt gut fünf Stockwerke vor mir empor. Es wirkt still, friedlich – und doch beschleicht mich ein seltsames Gefühl, das mich warnend zur Umkehr bewegen will. Ich schiebe es beiseite, mein Entschluss ist gefasst. Der Taxifahrer steigt wortlos aus, stellt meinen Koffer vor die Eingangstür ab und nimmt mir einen weltlich wild wuchernden Höchstbetrag ab, bevor er in die Zivilisation zurückkehrt. 

All meinen Mut zusammennehmend, hebe ich mein Koffer empor, atmet tief durch und betrete mein neues Zuhause auf unbestimmte Zeit. Keine Menschenseele ist auf dem weitläufigen Areal zu sehen, niemand an den Fenstern, es ist still wie auf einem Friedhof – und ich frage mich, ob ich das richtige Haus vor mir habe. Sollte es hier nicht nur so wimmeln von Ärzten Pflegern, Patienten und ihren Besuchern? Alles wirkt wenig einladend, trist, grau und irgendwie – tot. Im Inneren komme ich an eine kleine Rezeption, hinter deren Empfangstheke eine ältere Dame in Pflegetracht gleich einer Skulptur hoch aufgerichtet steht – und eiskalt, beinahe unmenschlich, stumpf, seelenlos lächelt. In der Sekunde meines Eintretens, dreht sich ihr Kopf mechanisch in meine Richtung, ihr Blick heftet sich an meine Kehle und schnürt mir dieselbe zu, so dass ich kaum mehr ein Wort herausbringen kann. Ich ringe um Fassung. Alle haben mir gesagt, ich müsse das hier tun, es ist nötig – nun muss ich es durchziehen!

„Ja, wen haben wir den hier!“, sagt die Empfangsdame in einem schrill-säuselnden Singsang, der sich gleich einer Sirene in mein Trommelfell ätzt. „Wir hatten Sie schon erwartet! Wundervoll, dass Sie den Weg zu uns gefunden haben! Herzlich willkommen in unserer Klinik – und in ihrem neuen Leben!“ Wie aus dem Nichts erscheinen zwei hünenhafte Pfleger mit leerem Blick und starrer Mimik hinter mir. Eine nimmt meinen Koffer, der andere packt mich mit festem Griff am Oberarm. „Wir haben ein traumhaftes Zimmer für Sie vorbereitet, es wird Ihnen an nichts fehlen!“, flötet die Schwester an der Rezeption. „Unser Personal geleitet Sie nun hinauf, wo Sie sich einrichten dürfen. In wenigen Minuten hat der Doktor dann Zeit für Sie. Seien Sie unbesorgt! Wir werden uns sehr gut um sie … kümmern!“

Als die Pfleger mich in Richtung des Fahrstuhls schieben, sehe ich aus den Augenwinkeln, wie sich der Kopf der Frau roboterhaft wieder in eine gerade Position biegt und den Blick zurück auf die Eingangstür richtet. Ihr Programm ist abgespult und bereit zum Neustart für den nächsten Ankömmling. Derweil die Klapsmühle um mich herum ihren zermürbenden Betrieb aufnimmt und mich ein Gefühl überkommt, als ob ein Mahlwerk blutlechzend unter mir rotiert, in das ich immer weiter hinabrutsche.

Im Fahrstuhl gibt es über der Tür einen Zeiger auf einem Halbkreis-Zifferblatt, der sich mit der Fahrt auf die Zahl 3 hinbewegt, dann gleiten die Türen auseinander. Vor mir und den Pflegern erstreckt sich ein langer, düsterer Gang mit vielen Türen links und rechts, den die beiden Pfleger mich entlang schieben. Einige der Türen sind geöffnet. Ich sehe Patienten in ihren Betten, Schwestern Pfleger und Ärzte bei der Arbeit. Alles jedoch in einer beklemmenden Stille, die so gar nicht zu der Vielzahl der Personen passt, die sich hier auf dem Stockwerk bewegen. Am Ende des Ganges schieben mich die Pflege in eines der Zimmer. Sechs klapprige Bettgestelle sind hier auf zwei Seiten, drei hüben, drei drüben, angeordnet. Der Rost nagt sich durch das Metall, die Matratze und Bettwäsche waren höchstens vor Jahrzehnten einmal frisch und behaglich, an den Decken pendeln Stabfäden und Spinnweben in einem zugigen Strom, der durch die undichten, dreckigen Holzfenster hereindrängt. Auf zwei der Betten liegen Patienten und starren lethargisch ins Leere. Ein weiterer sitzt im Schneidersitzt auf dem Boden, die Augen geschlossen und bewegt den Oberkörper vor und zurück. Die Pfleger schieben mich zu einem freien Bett am Fenster, worauf sie meinen Koffer ablegen und sich nebeneinander an die Wand stellen. Worauf warten sie?

Aus meiner anfänglichen Unsicherheit werden panische Zweifel. Bin ich hier richtig? Kann dieses heruntergekommene Sanatorium überhaupt eine Heilung bewirken? Niemand kümmert sich hier, alles wirkt eher verwahrend, bedrohlich – und weggesperrt. Ich versuche noch, meine Gedanken zu ordnen, als durch die offene Tür ein Mann in weißer Kluft, weißem Kittel und einem altertümlich anmutenden Stethoskop um den Hals eintritt. Sein Namensschild ist kaum mehr lesbar, allein das „Dr.“ kann ich entziffern. Jedoch macht dessen Lächeln den Blick auf verfaulte Zahnreihen frei, das Gesicht ist von Narben durchfurcht und auch der irre Blick lässt Zweifel an der Heilkunst des Kittelträgers aufkeimen.

„Fein, fein, fein. Sie haben sich ja schon fast eingelebt!“, bemerkt der Arzt mit Blick auf den Koffer. „Ich bin Doktor Quinn – ein Arzt der … ach nein, AUS Leidenschaft!“ Er lacht schrill. „Sie haben uns ja ihre Daten bereits übermittelt. Und ich bin zuversichtlich, dass wir hier eine Menge für Sie tun können!“ Ich melde mich zaghaft zu Wort: „Vielen Dank, Doktor Quinn“, höre ich mich stammeln. „Aber ich bin mir gerade gar nicht so sicher, ob das hier die richtige Umgebung für …“ – „Na, na, na!“, unterbricht er mich lauter und aggressiver, als es wohl hätte sein müssen. „Wer wird denn gleich mit solchen Zweifeln in seine Therapie starten wollen!“ Er mustert mich von oben bis unten. „Ich muss schon sagen, das enttäuscht mich nun ein wenig“, fährt er dann fort. „Ich hatte angenommen, Ihnen sei bewusst, wie schwerwiegend und ernst Ihr Zustand ist! Aber seien Sie unbesorgt – wir wissen, was zu tun ist.“

Noch ehe es mir richtig bewusst wird, stehen die beiden Pfleger wieder hinter mir und Doktor Quinn hat wie aus dem Nichts eine Spritze in der Hand. „Ich bin mir sicher, dass hier eine gravierende paranoide Schizophrenie vorliegt, mit der Sie sich und andere in ihrem Umfeld in große Gefahr bringen!“, verkündet er mit einem schmierigen Lächeln. „Für alle anderen und zu Ihrer eigenen Sicherheit ordne ich hiermit eine Einweisung in unsere geschlossene Abteilung an – zu Ihrem Besten!“ Ich spüre die Hände der Schergen, die meine Arme packen und die Panik rollt in Wellen über mich hinweg. Was geschieht hier! Was will er von mir! Was hat er vor! „Wehren Sie sich nicht“, sagt Doktor Quinn, während er einen dünnen Strahl an Flüssigkeit aus seiner Spritze drückt und die Nadel dann auf meinen Hals richtet. „Es wird schon bald alles viel leichter. Wir werden uns gut um sie kümmern!“

Ich winde mich hilflos, während die beiden Hünen mich auf das Bett zerren, Körper und Kopf festhalten und sich die Nadel in meinen Hals bohrt. Über mir sehe ich das irre Grinsen des Arztes, die leeren Blicke der Pfleger, ich höre hysterisches Schreien und Zetern der aufgeschreckten anderen Patienten – aber niemand hilft mir. Meine Glieder werden schlaff, meine Kehle ist zugeschnürt, gleich einer alptraumhaften Giftschlange windet sich das Stethoskop des Arztes vor meinen erstrebenden Blick und jeder Widerstand ist zwecklos. Durch endlose Gänge, Räume und Säle schleifen und zerren mich die Hünen, zahllose Bilder torpedieren meinen Geist, drängen aus der empfundenen Realität in die alptraumhafte Wirklichkeit meines Schädels. Was ist wahr? Was ist Einbildung? Wo verlaufen die Grenzen? Und gibt es noch eine Rettung? Während in einem Strudel aus Raum und Zeit jede Wahrnehmung verschwimmt, Krämpfe meinen Körper schütteln, Gifte in meine Adern strömen und fürchterliche Instrumente ihr blutiges Werk an mir vollziehen, will dieser eine letzte verzweifelte Gedanke nicht weichen, setzt sich in meinem Geiste fest, hallt höhnisch und voll Zynismus als Echo meiner naiv verwirkten Freiheit nach: Wie bin ich hier nur hineingeraten – ich wollte doch nur Hilfe!

Im Mahlwerk der Klapsmühle